New to Busy?

Technik der Freskenmalerei im Mittelalter // Technique of fresco painting in the Middle Ages

17 comments

vieanna
66
4 months agoSteemit6 min read
Wandmalerei in Schloss Bruck.

Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom sind weltberühmt. Fünfzig Jahre bevor der bedeutendste Künstler der italienischen Hochrenaissance "Das Jüngste Gericht" (1534–1541) vollendete, war der Tiroler Maler Simon von Taisten mit der Gestaltung des Freskenzyklus in der Kapelle von Schloss Bruck in Lienz (Osttirol) beschäftigt.

Wall painting in Bruck Castle

Michelangelo's frescoes in the Sistine Chapel in Rome are world famous. Fifty years before the most important artist of the Italian High Renaissance completed the "Last Judgement" (1534-1541), the Tyrolean painter Simon von Taisten was busy designing the fresco cycle in the chapel of Bruck Castle in Lienz (East Tyrol).

1.jpg
Kapelle Schloss Bruck Lienz / Chapel Bruck Castle Lienz

Aus dem Italienischen hergeleitet bedeutet Freskomalerei so viel wie Frischmalerei (al fresco - ins Frische). Bei dieser Technik werden zunächst Farbpigmente in Wasser angerührt. Die Farben werden dann auf den frischen, feuchten Kalkputz aufgetragen. Dabei verbinden sich die Farbpigmente mit dem in der obersten Schicht des Verputzes enthaltenen gebrannten Kalk in einem chemischen Prozess (Karbonisierung). Es entsteht eine feine Farbschicht, die unlöslich mit dem Putz verbunden ist.

Fresco painting is derived from the Italian pittura al fresco meaning painting into the "fresh". With this technique colour pigments are first mixed in water. The colours are then applied to the fresh, moist lime plaster. In a chemical process (carbonation), the colour pigments combine with the burnt lime contained in the top layer of the plaster. The result is a fine layer of paint that is insolubly bonded to the plaster.

4.jpg
Michelangelo: Das Jüngste Gericht (Detail) / The Last Judgement (detail)

Zurück zu unserem Tiroler Maler. Für den Verputz des Untergrundes des Freskos benötigte er Kalkmörtel. Das Kalkbrennen ist ein jahrtausendealtes Handwerk. Die in der Lienzer Umgebung reichlich vorhandenen Kalksteine wurden in einem kuppelförmigen Kalkofen mehrere Tage lang hoher Temperatur ausgesetzt und mit Wasser gelöscht. In einem Mörtelkasten wurde der Branntkalk mit Sand und Wasser zu Kalkmörtel verrührt.

Back to our Tyrolean painter. For the plastered surface of the fresco he needed lime mortar. Lime burning is a millennia-old craft. The abundant limestones in the Lienz area were exposed to high temperatures in a dome-shaped lime kiln for several days and extinguished with water. In a mortar box, the quicklime was mixed with sand and water to form lime mortar.

3.jpg
Museum Schloss Bruck Lienz / Museum Bruck Castle Lienz

Die Herstellung von Farben war im ausgehenden 15. Jahrhundert ein mühsamer Prozess. Das Farbpulver (Pigment) wurde aus Mineralien, metallischen Verbindungen, tierischen oder pflanzlichen Stoffen gewonnen. Mineralhaltige Steine mussten zuerst mit Steinklopfern oder Steinbrechern zerkleinert werden. Anschließend wurde der Bruch mit Hilfe von Mörsern, Mahlsteinen oder Marmor-Reibplatten pulvrig fein zerrieben. Erst dann konnte das stark färbende Pulver mit Wasser oder einem organischen Bindemittel zur Malfarbe vermischt werden.

The production of colours was a laborious process in the late 15th century. The colour powder (pigment) was obtained from minerals, metallic compounds, animal or vegetable substances. Stones containing minerals first had to be crushed with stone beaters or stone crushers. The quarry was then finely ground with the aid of mortars, grinding stones or marble friction plates. Only then was the strongly colouring powder mixed with water or an organic binding agent to form the paint.

5.jpg
Museum Schloss Bruck Lienz / Museum Bruck Castle Lienz

Bei der Anfertigung eines Freskos waren neben dem Maler auch Maurer, Vergolder und viele Gehilfen beteiligt. Nicht nur die Farben, auch die benötigten Utensilien wurden in der Werkstatt selbst hergestellt.

In addition to the painter, bricklayers, gilders and many assistants were also involved in the production of a fresco. Not only the colours, but also the necessary utensils were made in the workshop itself.

8.jpg
Aufgang zur Kapelle / Access to the chapel

Der Malgrund bestand aus mehreren Putzschichten. Zuerst wurde eine Schicht aus Mörtel und Grobputz auf die Mauer aufgetragen. Anschließend erfolgte die Übertragung der Umrisse der schematischen Vorzeichnungen mit einem spitzen Griffel auf den frischen Putz. Dafür wurde meistens das rötliche Erdpigment Sinopia verwendet, weswegen die Vorzeichnungen auch Sinopien genannt werden. Die nächste Schicht aus Feinputz war der Malputz. Jetzt begann die eigentliche Malerei, die zügig vonstatten gehen musste. Sobald die oberste Verputzschicht trocken war, bestand nämlich die Gefahr, dass die Pigmente nachdunkeln. Auf die Wand wurde daher nur soviel Putz aufgetragen, wie an einem Tag zu bemalen möglich war.

The painting ground consisted of several layers of plaster. First a layer of mortar and coarse plaster was applied to the wall. Then the outlines of the schematic preliminary drawings were transferred onto the fresh plaster with a pointed stylus. The reddish earth pigment sinopia was mostly used for this, which is why the preliminary drawings are also called sinopia. The next layer of fine plaster was the painting plaster. Now began the actual painting, which had to proceed quickly. As soon as the top layer of plaster was dry, there was a danger that the pigments would darken. Therefore, only as much plaster was applied to the wall as was possible to paint on one day.

10.jpg
Kapelle Schloss Bruck Lienz / Chapel Bruck Castle Lienz

11.jpg
Kapelle Schloss Bruck Lienz / Chapel Bruck Castle Lienz

Die Arbeit am Freskenzyklus in der Burgkapelle dauerte sechs Jahre. Einem Bildteppich gleich überzieht der Freskenschmuck die Wände der zweigeschossigen Kapelle. Die Szenen konnten auch ohne Kenntnisse der Schrift als "Bildgeschichten" gelesen werden. Heilige wurden an ihren Attributen (typische Gegenstände), Adelige an ihren Wappen erkannt.

The work on the fresco cycle in the castle chapel lasted six years. Like a tapestry, the fresco decoration covers the walls of the two-storey chapel. The scenes could also be read as "picture stories" without any knowledge of writing. Saints were recognized by their attributes (typical objects), nobles by their coats of arms.

IMG_9903.jpg
Kapelle Schloss Bruck Lienz / Chapel Bruck Castle Lienz

Die Leuchtkraft der Fresken hat in den über 500 Jahren wenig an Intensität eingebüßt. Die Wandmalerei ist noch sehr gut erhalten, da sie nie übermalt oder mit anderen Putzschichten überdeckt wurde, was im Mittelalter oft der Fall war.

The luminosity of the frescoes has lost little of its intensity in over 500 years. The wall paintings is still very well preserved, as it was never painted over or covered with other layers of plaster, which was often the case in the Middle Ages.

6.jpg
Schloss Bruck, Lienz / Bruck Castle, Lienz

Die Aufnahmen entstanden im Mai 2018 bei der Ausstellung "Mal mir den Himmel", die im Museum Schloss Bruck in Lienz dem Werk des Künstlers Simon von Taisten gewidmet war.

The pictures were taken in May 2018 at the exhibition "Mal mir den Himmel", which was dedicated to the work of the artist Simon von Taisten in the Museum Schloss Bruck in Lienz.

Comments

Sort byBest