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Unser Weg zum "idealen" Geld

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urdreamscometrue
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2 months agoSteemit7 min read

Ich wollte schon länger mal einen Artikel zu Geld schreiben, wozu ich aber bis jetzt nicht gekommen bin. Als ich dann vor einigen Tagen die beiden Artikel von @freiheit50 gelesen habe, ist mir das Fehlen eines Artikels über Geld auf meinem Blog wieder in den Kopf gekommen.

Einleitung

Mein Wissen über Geld verdanke ich hauptsächlich meinem Interesse an Kryptowährungen (Bitcoin im speziellen), sowie meinem Interesse an der Geschichte/Evolution des Menschen.

Geld zu Beginn der Menschheit und warum Geld so mächtig ist

Die Steinzeitmenschen kannten kein Geld, wie wir es heute nennen. Die verschiedenen Angehörigen einer Gruppe/eines Stammes waren auf verschiedene Aufgabenbereiche spezialisiert und teilten ihre Güter und Dienstleistungen in einer Wirtschaft, die auf gegenseitigen Gefälligkeiten und Verpflichtungen basierte. Dieser gegenseitige Austausch von Gefälligkeiten wird Gift-Giving System genannt. In diesen Gift-Giving Beziehungen spielt sozusagen jeder Beteiligte Bank, indem er in seinem Gedächtnis eine Buchführung darüber führt, ob der Austausch von Gefälligkeiten zwischen ihm und den anderen Beteiligten ungefähr fair ist. Der Konsens (übereinstimmen der Meinungen, die die meine Bitcoin Artikel kennen wissen wovon ich rede) wird bei einer Gift-Giving Beziehung durch Interaktion der einzelnen Beteiligten untereinander sichergestellt.

Wie sich jeder vorstellen kann, funktionieren solche Gift-Giving Systeme nur in relativ kleinen Gruppen, die sich gegenseitig Vertrauen gut. In großen Gruppen kommt es schnell zu Uneinigkeiten/es kann kein Konsens hergestellt werden. Auch die steigende Anzahl an Waren machte Tauschgeschäfte nicht praktikabel.

In großen Gruppen wird das Gift-Giving durch Geld ersetzt. Geld übernimmt die Rolle als Gedächtnis für die unterschiedlichen Schuldverhältnisse der Menschen.(Buchführung des globalen Austausches für Gefälligkeiten).

Verknüpfen wir dieses Wissen mit der modernen Geldtheorie, so können wir nachvollziehen, was Geld eigentlich ist. Geld ist ein Gedächtnis (laut Geldtheorie).

Mit Geld haben wir eine neue "intersubjektive Wirklichkeit" geschaffen, die nur in unserer aller Vorstellung existiert. Welches Medium, wir als Geld benutzen ist (zu Beginn) irrelevant. Mithilfe unseres "Geldes" können wir den relativen Wert aller Güter und Dienstleistungen festlegen. Wir haben Vertrauen in dieses Geld, sodass wir mit fremden Menschen Geschäfte tätigen können.

Geld ist der Grund, weshalb es in der Menschheitsgeschichte nach der landwirtschaftlichen Revolution noch rasant weiter ging. Ohne Geld wäre unsere heutigen hochkomplexen Handelssysteme unmöglich. Bei einer Ökonomie ohne Geldeinheiten explodiert die Anzahl der möglichen Tauschpaare bei steigender Güter/Dienstleistungsvielfalt regelrecht. Jeder müsste zehntausende Wechselkurse im Kopf haben (Zigaretten gegen Äpfel, Zigarreten gegen Wolle,usw).

Nur durch Geld als universelles Tauschmittel sind solche komplexen Systeme möglich.

Funktionen einer Geldeinheit

Eine "ideale" Geldeinheit sollte sich aufbewahren lassen (sparen usw). Hier kommen wir jetzt darauf zurück, dass wir eben doch nicht jedes Medium als Geld verwenden können. Dies wird nun am Besipiel des vermutlich ältesten Geld Mediums der Welt verdeutlicht. Dem "sumerischen Gerstengeld". Gerstengeld war einfach Gerste. Gerste war damals vor circa 5000 Tausend Jahren in Sumer also das universelle Tauschmittel, anhand dessen der Wert von allen Gütern und Dienstleistungen festgelegt wurde. Das verbreitetste Maß für Gerstengeld war die "Sila"(standartisierter Messkrug voller Gerste). Die Arbeiter wurden mit Gerste bezahlt und kauften mit Gerste ein. Und wenn sie ein Verbrechen begingen, mussten sie das Strafgeld in Form von Gerste zahlen. Soweit alles gut.

Doch inwiefern ist Gerste als Wertspeicher nutzbar? Nun erstmal ist Gerste sehr platzintensiv: ein einfacher Arbeiter verdiente circa 60 Sila Gerste die Woche (ein Sila entsprach ungefähr einem Liter). Wohlhabende, die sparen wollten mussten also hunderte Liter Gerste aufbewahren. Das ist schonmal ein kleines Hindernis. Doch das größte Problem ist, dass Gerste bei Kontakt mit Feuchtigkeit verdirbt und von Schädlingen wie Ratten einfach aufgefressen werden kann.

Kurz gesagt eignen sich die meisten Naturalien nicht als Wertspeicher, was eine der drei Funktionen der idealen Geldeinheit ist (Tauschmittel, Recheneinheit und Wertspeicher). 

Dies führt uns weiter zu den:

Monetären Grundeigenschaften

  • Haltbarkeit: Vorallem für die Verwendung als Wertspeicher muss eine Geldeinheit haltbar sein. Dies haben wir ja am beispiel des Gerstengeldes schon festgestellt.
  • Transferierbarkeit:Damit ein Handel mit der Geldeinheit möglich ist, müssen die Besitzrechte des Geldes ohne weiteres übertragbar sein.(muss außerdem jederzeit liquidiert werden können)
  • Teilbarkeit:Die Funktion des Geldes als Tauschmittel setzt vorraus, dass das Geld irgendwie teilbar ist. Sonst könntest du dir ja nicht die Menge, die du von etwas kaufen willst aussuchen. Geld muss also stückelbar sein.
  • Homogenität:Jede Geldeinheit(mit gleichem Nennwert)muss untereinander austauchbar sein. Beim Beispiel Goldmünze müssen also alle Goldmünzen den selben Goldgehalt aufweisen. 
  • Verifizierbarkeit:Die Echtheit des Geldes muss erkennbar sein. Bei Goldmünzen beispielsweise kannst du wiegen und einen schnellen Härtetest machen.
  • Wertstabilität: Die Geldfunktionen Wertspeicher und Recheneinheit sind beide abhängig von der Wertstabilität der Geldeinheit.
  • Seltenheit:Grundlage für die Verwendung als Tauschmittel und Wertspeicher.

Die "ideale" Geldeinheit

Wie gerade klar geworden sein sollte, macht die Verwendung von großen sperrigen, verderblichen Gütern als Geldeinheit keinen Sinn. Ist also unser Bargeld (Geldscheine)das ideale Geld Medium? Unser Bargeld (eigentlich jedes physische Geldmedium) hat den großen Vorteil, dass die Besitzverhältnisse von ebendiesem immer klar definiert sind. Es ist also nicht möglich, mit ein und derselben Geldeinheit mehrere Käufe zu tätigen (Double-Spend Problematik, diejenigen, die meine Bitcoin Artikel kennen wissen Bescheid:D). Es braucht außerdem keine Drittpartei, die den Kaufvorgang überwacht, bzw feststellen muss, ob der Käufer der rechtmäßige Eigentümer der Geldeinheit ist (Transaktionslegitimität, selbstverständlich auch schon bekannt für die Bitcoin Artikel kenner, weshalb ich hier mangels Zeit keine erneute ausführliche Erklärung raushaue).


Mit diesen Vorteilen, die Bargeld bietet kommen aber auch Nachteile mit einher. Der größte Nachteil ist, dass Bargeld eine physische Nähe zwischen Verkäufer und Käufer vorraussetzt. Das ist nicht deshalb schlimm weil physischer Kontakt mit anderen Menschen schlecht ist...:D sondern weil wir vorallem in Zeiten des Internets doch gerne Geschäfte online tätigen, sprich keine physische Nähe zum Verkäufer haben. 

Aktuell geht auch noch alles mit Bargeld, doch die Zeiten werden sich schnell ändern und in ein paar Jahren bestellt euer Kühlschrank alleine Lebensmittel online für euch, euer Auto bezahlt online die Parkplatzgebühr, beim rauslaufen aus dem Geschäft wird euer Einkauf automatisch gescannt und das Geld ebenso automatisch online von eurem Konto abgebucht.

Die Liste könnte man noch weiter führen, aber ich glaube sie verdeutlicht, dass die Tage von Bargeld (physischem Geld) gezählt sind.

Schon heutzutage gibt es digitales Geld (Buchgeld) von Banken. Probleme wie Double-Spend, die bei nicht physischen Objekten eben umgangen werden müssen, werden von den Banken dadurch gelöst, dass das Register der Vermögenszustände (dieses Register ist das Geld!, wir erinnern uns Gedächtnis...) zentral verwaltet wird. Es gibt nur eine gültige Version und die stimmt eben:D

Wenn wir diese Vermögensverwaltung nun dezentral hinbekommen wollen, brauchen wir ein bisschen mehr know-how. Wie genau das funktioniert könnt ihr dank Internet auf meinem Blog oder woanders nachlesen.

Wenn wir uns nun die Eigenschaften der idealen Geldeinheit anschauen, wird verständlich, dass Bitcoin physischem Geld überlegen ist und sich deswegen im Laufe der Zeit durchsetzen wird. (oder ein anderes dezentrales Register).

Wer dagegen Wetten will, gerne mit Begründung in den Kommentaren:D

Ich hoffe der Artikel hat euch gefallen und konnte euch neue Informationen und Anschauungen vermitteln. Ich schreibe diesen Artikel leider gerade unter Zeitdruck, weshalb er nicht ganz so ausführlich geworden ist wie geplant. 

PS:Bei Interesse werde ich meine Artikelreihe zu Bitcoin nochmal überarbeiten und ihn als einziges Meisterwerk hochladen:D Wünsche euch noch eine schöne Woche!


Quellen:

  • Das Bild habe ich selbst mithilfe von Paint3D erstellt.
  • "Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets"von Aleksander Berentsen und Fabian Schär. Das in meinen Augen beste Buch zu diesem Thema, aus dem ich fast all mein Wissen habe.
  • "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Harari.


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