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Zufall, Notwendigkeit und Religion

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stayoutoftherz
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english summary: Despite surprising patterns and order which has been established throughout evolution, there is today due to scientific findings no room left for gods - in contrary, religion itself is a concept that was evolutionary selected and perhaps should be now better discarded.

Liebe Hiver und Wahrheitssuchende!

Ist das Leben auf unserer Erde zufällig entstanden, und / oder gehorcht es fundamentalen Gesetzen, die unter anderem dafür verantwortlich sind, dass sich überall ähnliche Muster finden lassen, ob die Venen in einem Blatt...
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@stayoutoftherz

... oder die Strassen in einer Stadt.
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Aber auch in der unbelebte Natur bilden sich bestimmte, immer wiederkehrende Muster heraus, die denen in Lebewesen ähneln. Ist das ein histologischer Gewebeschnitt oder eine Luftaufnahme eines Flussdeltas?
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Fraktale geometrische Muster überall in der Natur führen zu Selbstähnlichkeit, hier ein Karfiol (Blumenkohl) der Sorte Romanesco.
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Wie erklärt man sich diese Muster, diese Ordnung im Chaos des Universums? Aufgrund von einfachen geometrischen oder physikalischen Prinzipien wie z.B. der Strömungsdynamik von Flüssigkeiten oder den Diffusionsgradienten von Botenstoffen?

Für die Religionen ist es einfach, Gott hat sie geschaffen, wer sonst! Die meisten Religionen, philosophischen Schulen und auch viele Wissenschaftler haben ja immer versucht, die Zufälligkeit der Menschheit zu verleugnen und ihrer Existenz einen tieferen Sinn zu geben. Schöpfungsmythen in der einen oder anderen Form - selbst Einstein widerstrebte es, diese Idee völlig zu begraben und redete öfter vom "Alten" als Gott (obwohl er das berühmte Zitat "Gott würfelt nicht" so nie gesagt hatte). Der Zufall war für ihn sehr wichtig, deswegen hat er sich intensiv mit der Brownschen Molekularbewegung beschäftigt, die rein zufällig ist.
Und die Mutationen der DNA sind ebenfalls zufällig, deren Träger dann der Selektion unterworfen werden.

Kennt jemand von Euch noch das Buch "Zufall und Notwendigkeit" von Jacques Monod? Es ist mittlerweile genau 50 Jahre alt (1970 erschienen). Sein Inhalt ist nach wie vor aktuell, eigentlich notwendige denn je: Es besagt im Wesentlichen, dass ein naturwissenschftliches Weltbild keinen Raum mehr lässt für den Glauben an eine (göttliche) Vorherbestimmtheit des Menschen.
Monod schreibt, das Erstaunliche an den Lebewesen ist, dass sie den Zufall sozusagen eingefangen haben und in Ordnung, Gesetz und Notwendigkeit umgewandelt haben.

Das Ganze bleibt bei der Biologie aber nicht stehen, sondern geht nahtlos weiter in kulturelle bzw. geistige Bereiche. Genauso wie sich Nägel, Zähne und Krallen (und auch das Gehirn) als erfolgreich im Überlebenskampf erwiesen haben, wurden auch Konzepte wie der Glaube oder der freie Wille selektiert. Der Glaube ist in vielerlei Hinsicht praktisch. Er vereint Gemeinschaften, erklärt quälende Fragen wie, was nach dem Tod passiert, und vor allem: stellt Verhaltensmaßregeln auf und "begründet" sie, sodass die Gläubigen sich daran halten, um nicht verstossen zu werden. Meist beinhalten die Regeln, die Glaubensdogmen keinesfalls zu hinterfragen.

Auch der Freie Wille hat sich, vor allem als Grundlage für ein funktionierendes Rechts- und Strafverfolgungsystem als sehr nützlich erwiesen, neuere neurophysiologische Studien dazu legen allerdings nahe, dass er nur ein Konstrukt des Denkens ist (erst nach den Handlungen selbst sozusagen dazugeschaltet wird vom Gehirn, mehr dazu hier). Von daher ist der freie Wille ein komplexes Meme im Dawkins´schen Sinn, das genauso wie ein körperliches Merkmal selektiert wurde.

Eine der großen ungelösten Fragen bleibt vorerst, inwieweit diese "zufälligen Notwendigkeiten" in einer anderen Welt (die aber vermutlich den gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist) sich ebenfalls herausbilden würden? Gibt es Blätter in dieser Welt, die auf ebenso effiziente Weise mit einer großen Oberfläche das Licht einfangen? Hat sich dort ebenfalls eine Photosynthese entwickelt, mit der das Sonnenlicht in Energie umgewandelt wird? Wie könnten sich in einer Welt ohne Photosynthese überhaupt Organismen ernähren? Eventuell gibt es dort keine Trennung in photosynthetisierenden unbeweglichen Lebewesen und bewegliche Lebewesen, die sich von ersteren ernähren, sondern sie sind beides. Aber ich schweife ab...

Jedenfalls, angesichts dessen, was die Religionen an Unvernunft, Hass und Gewalt in den letzten Jahrhunderten angerichtet haben, welche Verbrechen durch religiöse Anstiftungen begangen wurden und noch werden, sollte die Frage erlaubt sein, ob heutzutage Religionen als komplexe Memes überhaupt noch einen evolutionären Vorteil aufweisen oder ob sie nicht ihre Aufgabe erfüllt haben und allmählich in die Mottenkiste der Evolution gesteckt werden sollte, dort wo auch schon manche unserer Urinstinkte sind (z.B. die Angst vor Fremden). Werte wie Güte oder Nächstenliebe müssen nicht unbedingt religiös begründet sein, sondern könnten auch einer weltlichen Ethik entspringen.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zufall_und_Notwendigkeit
https://www.begleitschreiben.net/wp-content/uploads/2010/12/Zufall-und-Notwendigkeit.pdf

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